Positionen

Kampagne 2017

„Zusammen sind wir Heimat“

Fotowand mit zwei älteren Herren

Mit der Kampagne "Zusammen sind wir Heimat" will der Deutsche Caritasverband (DCV) zum Nachdenken und zur öffentlichen Auseinandersetzung anregen. Was ist überhaupt Heimat? Definiert sich Heimat an Orten oder an Menschen? Ist Heimat ein Begriff im konservativen Sinne oder kann sie wandelbar und modern sein?

 „Heimat“ in Gefahr?

In den vergangenen Jahren haben viele Menschen weltweit ihre Heimat verloren. Sie flohen vor Krieg, Vertreibung, Hunger und Not und suchten Schutz an anderen Orten, auch in Deutschland. Damit sie hier Heimat finden, müssen sich Einheimische und Zugewanderte öffnen und sich gegenseitig mit Respekt und Wertschätzung begegnen. Doch die Vielfalt in der offenen Gesellschaft, wie wir sie heute haben und leben, ist für viele eine Herausforderung. Die verschiedenen Kulturen, Sprachen und Religionen können verunsichern im Wunsch nach Vertrautem und Überschaubarkeit. Manch einer sieht seine Heimat in Gefahr.

Vielfalt üben, Rahmenbedingungen schaffen

Damit ein gutes Zusammenleben funktionieren kann, müsse Vielfalt geübt werden, so der Deutsche Caritasverband DCV auf der Website "Zusammen sind wir Heimat". Er fordert darum eine öffentliche Auseinandersetzung zum Thema und die Schaffung entsprechender politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.

Caritas selbst sieht sich in der Diskussion als aktiver Part. Im Rahmen der Kampagne erarbeitete der DCV sozialpolitische Positionen und verknüpft sie mit konkreten Forderungen an Politik, Gesellschaft und sich selbst:

  • Mit Bildung und Ausbildung alle Kinder und Jugendlichen erreichen
  • Das Miteinander stärken – Quartiersarbeit fördern
  • Asylbewerberleistungsgesetz abschaffen – ausländische Berufsabschlüsse anerkennen
  • Politische Bildung fördern, Alltagsrassismus bekämpfen
  • Barrieren im Gesundheitswesen abbauen – interkulturelle Öffnung ausbauen

Für Hendrik Rook, Leiter der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz ist die Kampagne des DCV ein wichtiges Signal: „Wir sehen uns in unserer täglichen Arbeit oft mit Ängsten der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen konfrontiert. Aufklärung ist wichtig. Noch wichtiger ist aber, die Ängste ernst zu nehmen und Bedingungen zu schaffen, dass keine Seite sich als Verlierer sieht.“

So kann es gelingen: Aus der Praxis von Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz

BerufsorientierungstagBerufsorientierungstag für Lernende der Franz-König-Schule.

Die Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz ist seit Jahren in der Asyl- und Flüchtlingsarbeit und im Kampf gegen Benachteiligung aktiv. Viele der Forderungen, die der DCV stellt, werden hier in der Praxis bereits umgesetzt. So ermöglicht die Franz-König-Schule in Waiblingen Ausbildungen für Jugendliche, egal welcher Herkunft. In verschiedenen anderen Projekten werden junge Leute bei der Suche nach Lehrstellen unterstützt, und während der Ausbildung begleitet. In der Schulsozialarbeit und den Jugendhäusern finden, zumeist benachteiligte, Kinder und Jugendliche eine Anlaufstelle, und im Jugendwohnen werden unbegleitete minderjährige Asylsuchende betreut.

In der Nachbarschaftshilfe und Flüchtlingshilfe engagieren sich Hunderte Freiwillige und stärken damit den Zusammenhalt und die Quartiersarbeit. Weiter stehen Migrationsberatungen, Migrationsdienst und ein Migrationszentrum zur Verfügung. Das jährliche Interkulturelle Fest von Caritas und der Stadt Ludwigsburg sorgt für Begegnungen auf Augenhöhe, Austausch und gegenseitiges Verständnis.

Ein Frau mit zwei FlüchtlingenEine Ehrenamtliche engagiert sich für Flüchtlinge.Deutscher Caritasverband e.V./KNA

Auch bei der Forderung nach Teilhabe am Arbeitsleben für alle kann Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz Beispiele aus der eigenen Praxis vorbringen. So fungiert Caritas selbst als Arbeitgeber für Langzeitarbeitslose und bietet Stellen und Beschäftigungen an, beispielsweise im Tafelladen Fellbach, im Pausenverkauf der Franz-König-Schule und im Flüchtlingszentrum Marienheim. "Durch die Arbeit bekommen die Menschen oft nach langer Zeit wieder eine Tagesstruktur und verbessern ihre Chancen für den allgemeinen Arbeitsmarkt", erläutert Margit Jordan, Leitung Roncalli - Arbeit und Beschäftigung. Die Teilnehmenden werden auf Wunsch durch Caritas sozialpädagogisch begleitet.

Es gibt noch viele weitere Projekte, in denen der Zusammenhalt gefördert wird. Auch über die Caritas hinaus: „Täglich sehe ich in unserer Region viele positive Beispiele für ein gutes Miteinander. Und ich bin mir sicher, dass wir ein „Zusammen sind wir Heimat“ schaffen, wenn wir an einem Strang ziehen“, so Rook.