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27.09.2017

Lebt die Kirche noch?

Arbeit und BeschäftigungSchüler der Franz-König-Schule.Fotolia

Ist die Kirche ein toter Ort? Diese Frage umtrieb den Journalisten Peter Schwarz der Waiblinger Kreiszeitung im Artikel vom 14. September. Schwarz begab sich auf die Suche nach lebendigen Orten, an denen christliche Werte gelebt werden. Der Gottesdienst könne es allein nicht sein, immer weniger stieße der auf Resonanz.

Anfang September besuchte der Journalist dann gemeinsam mit Henrik Rook, Leiter der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz, der Dekanatsreferentin Kornelia Vonier-Hoffkamp und dem Dekanatsgeschäftsführer Uli Häufele im Landkreis verschiedene Wirkstätten der katholischen Kirche.

Neben einem Kindergarten-Seniorenprojekt und einem Begegnungscafé standen auch Stippvisiten in Caritas-Einrichtungen auf dem Plan, darunter eine Flüchtlingsunterkunft, eine Berufsschule und die Suchtberatung.

„Untypisch für eine Flüchtlingsunterkunft“

Die Flüchtlingsunterkunft im Waiblinger Marienheim beeindruckt mit „viel Platz“. Ein Umstand, der „total untypisch für eine normale Flüchtlingsunterkunft“ sei, so Caritas-Sozialarbeiter Matthias Engel. Die Kirche wolle lieber auf Mietmehreinnahmen verzichten, als Flüchtlinge einzupferchen.

Einen vitalen und geschäftigen Eindruck auf Schwarz machte die Franz-König-Schule, eine Berufsfachschule, an der junge Menschen ihren Schulabschluss nachholen können oder sich auf den Einstieg in eine Lehre vorbereiten. Für manche der Kinder und Jugendlichen, beispielsweise aus Syrien oder Afrika, sei es die erste Chance ihres Lebens. Für viele andere aber biete sich hier eine neue und gute Ausgangslage, ihr Leben endlich selbst zu meistern und wieder an sich zu glauben.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die Suchtberatungsstelle Backnang. „Bestenfalls geben wir Hilfe zur Selbsthilfe, wir können den Ratsuchenden einen Weg zeigen, wie sie aus der Sucht rauskommen“, sagt Mitarbeiter Michael Walter und stellt klar, dass die Hilfe unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft und Religionszugehörigkeit sei.

Religion spielt keine Rolle

Die Religionszugehörigkeit spielt an keinem der Orte eine Rolle. In der Franz-König-Schule ist gemeinsamer Religionsunterricht Pflicht, egal ob Muslim oder Christ. So könne man voneinander lernen. „Wir muten den Schülern die Auseinandersetzung zu“, sagt Henrik Rook.

Das Fazit des Journalisten vom Tag ist auch der O-Ton der Dekanatsreferentin „Wenn man manchmal schaut, wie wenig Leute im Gottesdienst sitzen, könnte man depressiv werden. Aber wenn man sieht, wie vital das kirchliche Leben im Rems-Murr-Kreis ist und wie viel Initiativen und Aktionen laufen und Lebensfreude vermitteln, dann ist man doch fast euphorisiert.“